Der Schlickkrebs oder „Süßwasser-Röhrenflohkrebs“ Chelicorophium curvispinum (Amphipoda)

Zeichnung © J. Jacobi nach Sars

Schlickkrebse der Gattung Corophium findet man z.B. im Schlickwatt der Nordseeküste. Corophium curvispinum, neuerdings in die Gattung Chelicorophium gestellt, bewohnt dagegen Steine und andere feste Substrate in Fließgewässern und Seen. Die kleinen Krebse bauen darauf ihre Wohnröhren mit Partikeln, die sie mit ihren großen Antennen aus dem Wasser fischen. Diese Wohnröhren können einen durchgehenden filzigen Belag bilden, der andere Tiere ausschließt oder erstickt, wie z.B. angeheftete Zebramuscheln. Die Art stammt aus dem pontokaspischen Gebiet und ist schon lange vor Eröffnung des Main-Donau-Kanals nach Mitteleuropa vorgedrungen. Offenbar hat sie den Weg über weiter östlich gelegene Flüsse und Kanäle gefunden. Schon 1912 hatte sie den Müggelsee in Berlin erreicht.
Eine verwandte Art, Chelicorophium robustum, wurde 2003 im Main nachgewiesen und breitet sich weiter aus.

Der große Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus

Foto: Armin Ku­reck © Uni­ver­si­tät zu Köln

Dikerogammarus ist durch die kleinen Höcker auf dem Hinterleib leicht von anderen Flohkrebsen (Amphipoden) zu unterscheiden. Er stammt aus dem Donaudelta und wurde in der Donau wahrscheinlich mit Schiffen stromaufwärts verschleppt. Nach der Eröffnung des Main-Donau-Kanals breitete er sich auch im Rhein schnell aus und hat inzwischen Norddeutschland erreicht. Auch andere Arten der Gattung, die sehr ähnlich aussehen, breiten sich weiter aus.

Dikerogammaus villosus verdrängte im Rhein einheimische Flohkrebse aber auch früher eingewanderte Neozoen. Im Laborversuch hat er kleinere Arten weggefressen. Er ist aber kein reiner Räuber sondern kann sich auch von totem Material oder filtrierend von Kleinpartikeln ernähren. Im Rhein koexistiert er mit bestimmten kleineren Flohkrebsen (z. B. Echinogammarus ischnus). Er hat vor allem Wasserstraßen und 2003 auch den Bodensee besiedelt. Ob er es schafft, auch kleinere Bäche zu besiedeln, bleibt abzuwarten.
Wie alle Amphipoden betreibt er Brutpflege. Das Weibchen legt die Eier nach einer Häutung in einen Brutraum an der vorderen Bauchseite. Dann werden sie vom Männchen befruchtet und bis zum Ausschlüpfen der fertigen Jungkrebse herumgetragen. Damit das Männchen den Moment der Eiablage nicht verpasst, trägt es das Weibchen schon vorher in einer Praekopula mit sich herum. Findet man solche Paare, ist das größere Tier immer das Männchen. Das Foto zeigt die für Amphipoden typischen Praekopula.